Energiepreis Westmittelfranken

Verleihung am 17. September 2015 im Bezirksrathaus Ansbach

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Am 17. September 2015 verlieh das Netzwerk Erneuerbare Energien Westmittelfranken im Bezirksrathaus in Ansbach zum fünften Mal die Westmittelfränkischen Energiepreise.

Bewerben konnte sich jeder, der mit Projekten in den Bereichen erneuerbare Energien, energieeffiziente Sanierung und intelligente Gebäude- und Regelungstechnik den Energieverbrauch auffallend senkt und damit den Kohlendioxid-Ausstoß stark vermindert.

16 sehr interessante Projekte aus den Bereichen Endverbraucher, Betriebe/Kommunen/öffentliche Einrichtungen und Aktionsgruppen zeigten eindringlich, wie man mit persönlichem Engagement und intelligenten, energiesparenden Techniken einen bedeutenden Beitrag zum Umweltschutz leisten kann.

Die eingereichten Projekte wurden von einer neutralen und kompetenten Jury aus dem Netzwerk bewertet, für die das Thema Energie zum täglichen Brot gehört.

Die Kriterien für die Auswahl der Gewinner waren:

  • der Innovationsgrad
  • die Nachahmmöglichkeit
  • die Energieeinsparung
  • die Primärenergieeinsparung
  • der Einsatz von erneuerbare Energien und
  • bei Gebäudeprojekten neben der Energieeffizienz auch die Ästhetik und die Steigerung das Wohnwerts.

Es war für alle Jurymitglieder schwer, die „wirklichen Sieger“ auszumachen, da tatsächlich jedes Projekt als zukunftsweisend erachtet werden kann und belohnt werden müsste. Außerdem kann man viele der unterschiedlichen Projekte nicht direkt miteinander vergleichen. Grundsätzlich sind aber alle als sehr positiv zu betrachten, da nur mithilfe solcher Aktivitäten die Energiewende in Deutschland und speziell in Westmittelfranken vorangebracht werden kann. Allesamt haben einen Vorbildcharakter für andere Projekte, die so auch in anderen Regionen angestoßen werden können.

Kategorie Endverbraucher

Herr Johann Sedlmeier, Mitinitiator des Netzwerks und ehemals Leiter der Landmaschinenschule Triesdorf, präsentierte die Bewerbungen in der Kategorie Endverbraucher, in der es um die energetische Optimierung von Wohngebäuden ging.  Hier spielten die Gebäudedämmung, umweltschonende Beheizung und nicht zuletzt der Einsatz von erneuerbaren Energien eine Rolle.

Gewonnen haben Katrin und Simon Scherer aus Gunzenhausen die mit viel Engagement aus einem alten Bauernhaus, das noch vor dem Jahr 1900 errichtet wurde,  ein energiesparendes Zweifamilien-Wohnhaus machten.

Das Haus wurde dick mit Dämmmaterialen eingepackt und dabei auch die Bodenplatte nicht vergessen. Neue Fenster helfen, Energie zu sparen. Bei der Beheizung arbeiten jetzt der Pelletskessel, der wassergeführte Kaminofen und die große Solarthermieanlage mit dem sehr großen Solarspeicher effektiv zusammen. Dadurch ist der Anteil der Solarthermieanlage an der Deckung des Wärmebedarfs sehr hoch. Die Photovoltaikanlage mit vier Kilowatt Nennleistung deckt über 40% des häuslichen Strombedarfs pro Jahr. insgesamt ist die Primärenergieeinsparung sehr hoch.

Ausschlaggebend für die Auswahl war die sehr gute Dämmung, verbunden mit einem guten Energiemix aus Sonnenenergie und Biomasse. Die Sanierung hat Vorbildcharakter bei Altbauten im dörflichen Umfeld und zeigt, dass eine energetische Sanierung auch optisch ansprechend gelingen kann.

Kategorie Betriebe / Kommunen / öffentliche Einrichtungen

Für die Vorstellung der Kategorie Betriebe / Kommunen / öffentliche Einrichtungen war Herr Ekkehard Schwarz von der Wirtschaftsförderung Landkreis Ansbach zuständig. Hier ging es um vorbildliche Projekte in den Bereichen Energieeffizienz und Einsatz erneuerbarer Energien in eigenen Liegenschaften.

Die neun Projekte waren thematisch sehr breit gefächert und viele davon daher auch nicht direkt miteinander vergleichbar. Sie reichten von einem energetisch hochwertigern Betriebsgebäude, Nahwärmenetzen bis zur energetischen Sanierung eines Kirchengebäudes. Deshalb war die Auswahl des Gewinners sehr schwierig und nahm einiges an Zeit in Anspruch.

Nach Meinung der Jury ist es sehr wichtig, die Jugend auf einen verantwortungsvollen Umgang mit Energie und dadurch mit der Umwelt zu erziehen. Daher fiel die Wahl auf „Schüler machen Wind“. Hier machen die Schüler unter Anleitung der Lehrer selbst Windmessungen am Schulgebäude und bauen ein funktionstüchtiges Windrad zusammen, das danach auch Strom produziert, der in der Schule selbst genutzt wird.

Dieses praxis- und realitätsnahe LEADER-Schulprojekt der Entwicklungsgesellschaft Region Hesselberg schafft ein höheres Bewusstsein für erneuerbare Energien bei den Schülern und wirkt langfristig. Die praktische Einbeziehung der Schüler in verschiedene Fachbereiche ist vorbildlich. Außerdem sind die Kosten überschaubar, so dass so etwas durchaus auch in anderen Schulen gemacht werden sollte. Beteiligte Schulen sind die Grund- und Mittelschule Herrieden, die Gustav-Weißkopf Grund- und Mittelschule in Leutershausen, sowie die Betty-Staedtler-Mittelschule in Wassertrüdingen.

Kategorie Aktionsgruppen

In der Kategorie Aktionsgruppen, die Herr Andreas Horneber von der Industrie- und Handelskammer Nürnberg für Mittelfranken vorstellte, ging es um gemeinsame Aktivitäten von Gruppen zur Senkung des Energieverbrauchs oder dem Einsatz von erneuerbaren Energien. Bei der Auswahl des Gewinners hatte man ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen zwei Projekten. Der Sieger konnte erst durch eine Stichwahl bestimmt werden.

Das Rennen machte die Regionalstrom Franken eG aus Geslau. Diese bündelt in Genossenschaftlicher Form kleine und mittlere Stromerzeuger aus erneuerbaren Energien nach dem Vorbild der landwirtschaftlichen Genossenschaft. Sie handelt mit Strom aus regionaler Herkunft. Ziel ist eine verlässliche Lieferung von grünem Strom in Partnerschaft mit den Regionalversorgern. Angestrebt ist ein guter Mix aus erneuerbaren Stromgewinnungsanlagen mit dem Ausgleich des schwankenden Energieangebots aus Sonne und Wind durch Biogasanlagen.

Durch Verhandlungen mit mehreren Großhändlern werden bezahlbare Strompreise für die Endkunden erreicht, die nicht über den herkömmlichen Strompreisen liegen. Mit diesem Konzept schafft man bereits heute die Basis für eine weitere Stromvermarktung von EEG-Anlagen nach dem Ende der EEG-Förderung. Außerdem arbeitet die Genossenschaft derzeit im Rahmen einer Bachelorarbeit an einer Hochschule an einem Speicher-Pilotprojekt. Ein großer Batteriespeicher soll bei einem mittelständischen Unternehmen in der Region aufgestellt werden und dort den Eigenverbrauch der bestehenden Solarstromanlage optimieren und gleichzeitig Regelenergie anbieten.

Wegen der hohen Kosten der benötigten Rundsteuereinheit können momentan nur Anlagen mit mindestens 100 Kilowatt Nennleistung an die Genossenschaft Strom liefern. Es ist aber geplant, künftig auch kleinere Anlagen in die Vermarktung aufzunehmen.

Die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf zeigte als zweitplazierter mit ihrem Bildungsprojekt zum Bau einer Kleinwindkraftanlage an der Grund- und Mittelschule Bechhofen ihre umweltbewusste Ausrichtung. Es ist sehr wichtig, Jugendliche schon frühzeitig für einen verantwortungsvollen Umgang mit der Umwelt zu erziehen.

Bei 13 der insgesamt 16 eingereichten Projekte kann eine tatsächliche Energieeinsparung beziffert werden. Allein durch diese 13 Projekte werden pro Jahr 893.108.801 Kilowattstunden Primärenergie eingespart und die Umwelt rechnerisch von 198.215 Tonnen Kohlendioxid entlastet.